Rau aus Riehen - #6

Alles ist Politik – auch Sport

Als Polit- und Sportinteressierter musste ich ja irgendwann einmal über dieses Thema schreiben. Bei jedem sportlichen Grossanlass hört man mindestens einmal den Satz: „Sport hat nichts mit Politik zu tun.“

Meist soll damit eine politisch heikle Aussage bzw. eine heikle Handlung relativiert werden. Ich gehöre dem gegenüberliegenden Lager an und finde alles hat mit Politik zu tun – auch Sport. Und wenn wir etwas in der Geschichte zurückblicken, müssten wir eigentlich sagen, gerade Sport. Während des Kalten Krieges unterhielten die Grossmächte teure Programme, um die besten Athletinnen und Athleten in den relevanten Sportarten auszubilden. Für die politische Elite waren Weltmeistertitel und Olympiamedaillen mehr als nur sportlicher Erfolg. Es war der Triumph über den weltpolitischen Rivalen.

Und natürlich nutzen in den letzten Jahren Staaten wie Russland, China aber auch Katar sportliche Grossanlässe um ihr Land und letztlich auch ihr politisches System der Welt im besten Licht zu präsentieren. Auf der anderen Seite kann man argumentieren, dass dies westliche Staaten ebenfalls tun. Das stimmt natürlich, allerdings sind die verwendeten Mittel und Massnahmen in der Regel demokratisch und menschenrechtskonform. Zynisch und verachtend formulierte der ehemalige Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS), Gian Franco Kasper, gar einmal: “In Diktaturen ist es einfacher

Aber wie weiter? Ich glaube, wir müssen wieder mehr dafür sorgen, dass die Menschenrechte, demokratische Werte und der Respekt voreinander (eigentlich die Werte des Sports) Einfluss in den Sport finden. Wenn dies heisst, dass Veranstaltungen künftig kleiner, nachhaltiger und bescheidener stattfinden, ist das sicherlich eine gute Sache. In der Konsequenz müssen westliche Länder, wie z.B. die Schweiz, aber auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und dem Sport unsere Werte wieder vermehrt mitzugeben. Sei es in den entsprechenden Gremien (Kasper war ein schlechtes Beispiel, Fasel übrigens auch) oder sei es in der Organisation von Grossanlässen. Dies würde mich nicht nur als Polit- sondern auch als Sportinteressierter freuen. Die Fussball- Europameisterschaft der Frauen im Jahr 2025, die in der Schweiz stattfinden wird, ist dazu ein guter Anfang.